DMG MANAGEMENT DIALOG

Die Welt ist unruhig geworden. Die Zukunft scheint ungewiss und wird geprägt von allgegenwärtiger Unsicherheit. Mit großer Angst sprechen Menschen von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Ist das alles nun ein Versagen unseres politischen und ökonomischen Managements - oder die von einigen Wissenschaftlern angekündigte Zeitenwende? Um diese Themen aus einer Management-Sicht zu durchleuchten und zu diskutieren wurde der Management Dialog am 30. Mai 2011 ins Leben gerufen. Der erste Dialog fand mit auserlesenen akademischen Teilnehmern in der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt am Standort Nürtingen statt. Mit diesem Dialog verfolgt die DMG ihr Satzungsziel, nämlich die Rolle und Verantwortung des Managements zu definieren und in der Öffentlichkeit zu vertreten sowie das Management in der praktischen Arbeit zu unterstützen. Mit diesem Dialog möchten wir nun die Gesellschaft dazu auffordern sich einzumischen. Sie selbst sind die Zukunft des Managements.

DMG Management-Thesen

Diese Thesen wurden von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe - Professoren der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Führungskräfte derr Wirtschaft und DMG-Mitglieder - im Frühsommer 2011 aufgrund der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise erarbeitet. Als ein Beitrag zur öffentlichen Diskussion des Management-Verständnisses. Wir sind überzeugt, dass nur ein grundlegender Wandel der Paradigmen, Überzeugungen, Wertorientierung und Leitideen helfen kann, diese immer bedrohlicher werdenden Krise zu überwinden. Unsere Management-Thesen sollen dazu beitragen, die Diskussion um den dringenden Wandel zu beginnen und öffentlich zu führen.

1.
Die Dominanz des Shareholder Value, die vorrangige Orientierung am Börsenwert und das Wachstumsparadigma (Mengenwachstum) haben die globale Finanz- und Wirtschaftskrise nicht verhindert, sogar wahrscheinlich verursacht.
2.
Enthemmung und Gier haben zu abstrusen, existenzgefährdenden Verhaltensweisen geführt, auch die großen Banken haben hemmungslos spekuliert und immer neue Phantasieprodukte ohne reale Wertschöpfung erfunden.
3.
Die Politik hat auf Rat der Wirtschaft in guter Absicht geltende Regeln der Kapitalmärkte außer Kraft gesetzt und dadurch die Krise wesentlich beschleunigt.
4.
Politik und Wirtschaft haben die langfristigen Gefahren ignoriert zugunsten kurzfristiger Gewinne. Kurzfristige Vorteile rangieren vor dem langfristig Vernünftigen.
5.
EZB und FED haben die Gefahren unterschätzt oder sich dem Diktat der Politik unterworfen.
6.
Die Wirtschaft ist global und international geworden, die Politik ist eher national orientiert und den nationalen Gegebenheiten verpflichtet. Deshalb haben "die Märkte" zu großen Einfluss auf Politik und Gesetzgebung gewonnen.
7.
Meinungsbildende Wirtschaftswissenschaftler habeen wesentlichen Anteil an der Verursachung und Beschleunigung der Krise, nur wenige haben Kritik gewagt, wurden aber nicht gehört.
8.
Das Versagen des Managements liegt im mechanistischen, fachlich und materiell fixierten Denken, Entscheiden und Lehren.
9.
Einzel- und Eigeninteressen rangieren vor dem Gemeinwohl.
10.
Die Entlohnungssystem für Manager tragen erhebliche Mitschuld, weil sie primär Wachstum und Ertrag entlohnen und damit die Ausbeutung der Unternehmen beschleunigen.
11.
Die Medien haben durch einseitige Berichterstattung zur kritischen Entwicklung beigetragen.
12.
Politik und Wirtschaft haben das Vertrauen der Bevölkerung weitgehend verloren, man glaubt ihnen nichts mehr.
13.
Der allseits geforderte "notwendige grundlegende Wandel" ist bislang nicht ansatzweise zu erkennen.